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Der kleine Däumling ist ein Märchen des französischen Schriftstellers Charles Perralt.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein armer Holzhacker und seine Frau haben sieben Söhne, deren jüngster bei seiner Geburt nicht größer als ein Daumen ist und der „Däumling“ genannt wird. Auch in späteren Jahren wächst er kaum und spricht nicht viel, so dass er fälschlicherweise oft für dumm gehalten wird. Als er gerade sieben Jahre alt ist, kommt eine Hungersnot übers Land, und die Eltern beschließen, ihre Söhne im Wald auszusetzen, da sie ihnen eine allzu große Last sind. Der Däumling aber belauscht das Gespräch, und als die Eltern die Kinder am nächsten Tag in den dunklen Wald führen, lässt er unbemerkt auf dem Weg kleine Kieselsteine fallen. Als die Sieben schließlich allein zurückgelassen werden, fangen die älteren Brüder an zu weinen, doch der Däumling führt sie auf dem mit den Kieseln markierten Weg wieder zurück nach Hause.

Unterdessen hat der Gutsherr den Eltern zehn Écus geschickt, womit sie reichlich zu essen kaufen können, als die Kinder in das Haus zurückkehren. Die Freude der Eltern währt aber nur so lange, wie dieses Geld reicht, und bald beschließen sie erneut, die Kinder an der finstersten Stelle des Waldes auszusetzen. Da er dieses Mal keine Kieselsteine hat, lässt der Däumling auf dem Weg in den Wald Brosamenfallen, die jedoch von Vögeln aufgefressen werden. Nachdem die sieben Brüder einige Zeit durch den Wald geirrt sind, gelangen sie an ein einsames Haus, in dem ein Oger mit seiner Frau und seinen sieben Töchtern wohnt.

Die gutherzige Frau des Ogers nimmt die Kinder auf, gibt ihnen zu essen und versteckt sie unter dem Bett ihres Gatten, der gerne kleine Kinder verspeist. Als der Oger nach Hause kommt, riecht er das Menschenfleisch in seinem Haus (Je sens la chair fraîche) und entdeckt die Kinder in ihrem Versteck. Nur das gute Zureden seiner Frau hält ihn davon ab, die sieben Brüder sogleich zu schlachten. Stattdessen willigt er ein, die sieben noch ein wenig zu mästen und sie erst am nächsten Tag, in einer guten Soße angerichtet, zu verspeisen. Die Nacht verbringen die sieben Brüder im selben Zimmer, in dem in einem großen Bett bereits die sieben menschenfressenden Töchter des Ogers schlafen, von denen jede eine goldene Krone trägt. Der Däumling vertauscht, als seine Brüder eingeschlafen sind, die Kronen der monströsen Töchter gegen die Nachtmützen seiner Brüder. Als der Oger des Nachts im Weinrausch beschließt, die Kinder doch sofort zu schlachten, ertastet er in der stockfinsteren Schlafkammer die Kopfbedeckungen der Schlafenden und schneidet so seinen eigenen Töchtern die Kehle durch.

Der Däumling weckt seine Brüder und flieht mit ihnen aus dem Haus. Als der Oger am nächsten Morgen die List entdeckt, zieht er seineSiebenmeilenstiefel an und nimmt die Verfolgung auf. Als er erschöpft genau auf dem Felsen einschläft, unter dem sich die sieben Kinder verstecken, stiehlt der Däumling ihm die Stiefel. Sodann macht er sich auf den Weg zum Haus des Ogers und überredet dessen Frau unter dem Vorwand, der Oger sei in die Hände von Räubern gefallen und habe ihn beauftragt, das Lösegeld mit den Siebenmeilenstiefeln schnellstmöglich herbeizuschaffen, ihm all ihre Schätze auszuhändigen. Mit diesen Reichtümern beladen kehrt er ins Haus seines Vaters zurück.

Perrault gibt in seinem Märchen einen alternativen Ausgang der Geschichte an. „Viele Leute sagen“, schreibt Perrault, dass der Däumling sich mit den Siebenmeilenstiefeln zunächst zum Königshof begibt. Der König verspricht ihm reiche Entlohnung für den Fall, dass der Däumling ihm vor Ende des Tages Nachrichten von einer Armee bringe, die zweihundert Meilen entfernt im Feld steht. Nach vollbrachter Mission vollführt er noch weitere Kurierdienste für den König und auch als Liebesbote reicher Damen. Zu guter Letzt kehrt er in sein Elternhaus zurück und teilt seinen Reichtum mit seiner Familie.

Das Märchen endet, wie alle acht Contes der Märchensammlung, mit einer gereimten Moral, die aufzeigt, dass gerade der Unscheinbarste der Kinderschar sich als Segen für die Familie erweisen kann.

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